Pfahlbauten in St.Peter Ording - Bautradition im Wandel der Zeit

Wenn wir über St.Peter Ording sprechen fallen meist die folgenden Begriffe in genau der Reihenfolge: Nordsee, Sandstrand, Strandkorb, Wattenmeer, Wassersport, Luftkurort, Weltnaturerbe - oder so in der Art.

Ganz Ortstypisch und nicht so sehr in aller Munde, aber dafür momentan sogar in ihrer Fortexistenz bedroht: Die Pfahlbauten. Sie sind Ein Wahrzeichen im Erscheinungsbild von St.Peter Ording. Kleine und größere bautechnische Meisterstücke der Präzision. Sie trotzen bislang seit bis über 100 Jahren den Gezeiten und den Herbststürmen. Unter erschwerten Bedingungen hielten diese Bauwerke, friesischer Architektur bislang den Naturgewalten und Witterungen stand, aber für viele dieser pittoresken Pfahlbauten hat mittlerweile das letzte Stündlein geschlagen. Momentan stehen viele dieser Pfahlbauten selbst bei Ebbe bereits teilweise unerreichbar hinter der immer näher in das Festland drückenden Wasserkante (unter Nordlichtern besser bekannt als: Waterkant) aufgrund des stetigen Anstiegs des Meeresspiegels. Die Nordsee verschluckt jedes Jahr ca 6-10 Meter Sandstrand und daraus resultiert eine stärkere Marodierung der Pfähle, weil sie ganzzeitig im Wasser stehen. Zudem ist der Strand von St.Peter Ording, gegenüber anderen Nordseestränden besonders stark den Gezeiten-Strömungen ausgesetzt und das erfordert gerade hier ein verstärktes Maß an Aufmerksamkeit und Investition.

Im Frühjahr 2019 musste z.B., das wohl berühmteste Toilettenhäuschen Deutschlands, ein Abort der ganz besonderen Art, errichtet auf einem Gerüst aus massiven Baumstämmen, aus eben diesen Gründen “gefällt” werden. Nun droht auch einigen weiteren der Ordinger Wahrzeichen auf Pfahl-Gerüsten der Abriss .
Die besondere Umgebung des Wattenmeeres, erfordert eigentümliche Konstruktionen. Nur ein einziger Pfahlbau fiel, nachdem man die Bauweise auf damals 6 Meter hohe Pfähle angehoben hatte, bislang den über 5 Meter hohen Kaventsmännern der Sturmflut im Jahre 1976 zum Opfer, aber die Klimabedingten Veränderungen der letzten Jahre erfordern nun rasches Handeln, um diesen schützenswerten Bestandteil des Weltnaturerbes Wattenmeer in SPO, nach und nach, für mindestens kommende 30 Jahre renoviert zu erhalten. Das heisst: Mit den neuesten, bautechnischen Erkenntnissen werden mehrere Neubauten auf Pfahlkonstruktionen im weiter landeinwärts liegenden Strandbereich errichtet, um für die Zukunft rein Schiff zu machen und dem Blanken Hans die Stirn zu bieten.
Ein kostspieliges, aber notwendiges Unterfangen zur Erhaltung der gewohnten Pfahlbauweise, denn leider ist Instandsetzung der historischen Pfahlbauten in SPO, für die wenigsten der Bauwerke noch eine Option. Die Natur bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg und verändert die Bedingungen vor Ort in SPO und so wird sich für Schaulustige in nächster Zeit oft die Gelegenheit bieten, auf einigen von Deutschlands schönsten Baustellen, Zeuge beim errichten der faszinierenden Neo-Pfahlbauten zu sein.

Derweil ist es für Urlauber und Besucher in St.Peter Ording selbstverständlich noch möglich in völlig intakten historischen Pfahlbauten sogar vorzüglich zu Speis und Trank zu verweilen. Das bietet sich unter Anderem in folgenden Locations an:

Das Strandcafé Silbermöwe lädt täglich ab 10.00h in den, vor über 30 Jahren errichteten traditionsträchtigen Pfahlbau am Strand von St.Peter Ording, in 7 Metern höhe ein, soweit die Flaggen gehisst sind. Ebenso die Pfahlhäuser von Axels Restaurant Strandhütte der Seekiste, wo es neben allerhand ortstypischen Leckereien, ein vorzügliches von Sternekoch Nelson Müller hochgelobtes Labskaus zu probieren gilt. Ein Besuch in der ebenso sehr gut besuchten Strandbar 54°Nord, wo zu einem bedenkenlosen Verzehr der besten Surf & Turf Menüs der Region, mit Seeblick eingeladen wird - wenn nicht gerade eine Sturmflut herrscht.

Eine ganz besondere Geschichte verbindet das, heute direkt mit der Seebrücke verbundene Kult Restaurant auf Pfählen, die Arche Noah, mit dem Ort St.Peter Ording

Während Ende der 1950er Jahren das Wirtschaftswunder in Deutschland boomte und eine Zeit des Aufschwungs, des Optimismus und des Fortschrittsdenkens vorherrschte, errichtete das Ordinger Urgestein Horst Wieben, seinen ersten Pfahlbau auf der Sandbank und taufte ihn “Arche Noah” . Leider war mit dieser Arche weder das Überleben der Menschheit, noch der Tierwelt über die zerstörerische Kraft der großen Sturmflut von 1962 hinaus zu retten. Während Kapitän Wieben mit Mühe und Not seine eigene Existenz aus den Fluten vor dem Ertrinken retten konnte, wuchsen in ihm nach der Zerstörung seines ersten Pfahlbaus, bereits Pläne zur Wiedereröffnung auf höher gelegten Pfählen (6m). Die noch heute zum Sonnenanbeten einladende Terrasse, des 1963 Wiedereröffneten Lokals, liegt noch immer auf der ursprünglichen Höhe des alten Pfahlbaus und wurde sogar auf den, von der Flut verschonten restlichen Pfählen errichtet. Mittlerweile wurde die Führung der Arche von Nisret Peci übernommen. Bereits Im Herbst 2008 wurde die Arche Noah schließlich an die große Seebrücke angeschlossen, damit man auch bei Spring-Sturmflut oder Regenwetter trockenen Fußes in das Pfahlgebäude kommen kann.

 
 
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